Medizin im 3. Reich

Pressemitteilung


Bildungsgangprojekt „Medizin im Dritten Reich“ an den Kaufmännischen Schulen
Medizinische Fachangestellte besuchten die Gedenkstätten Auschwitz

„Wir wussten das es nach Polen ging und von der Stadt Auschwitz hatten wir auch schon aus Filmen und im Unterricht gehört, aber was wirklich auf uns zu kam, wussten wir bis hier her noch nicht“, so beschreibt es die Medizinische Fachangestellte Anja während des Projektes.

Am Sonntagmorgen um 3.00 Uhr machten sich 34 Auszubildende der Medizinischen Fachangestellten mit ihren Lehrern auf den Weg in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz, dass im heutigen Polen liegt. Der Schwerpunkt des Bildungsgangprojektes lag auf dem Aspekt Medizin im 3. Reich. Noch am Abend der Ankunft besuchte die Gruppe mit dem Freiwilligen Alex der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz, die eigentliche Stadt Oswiecim, wie Auschwitz auf polnisch heißt. Hier konnte ein erster Eindruck von dem ganz normalen Alltag in der 40.000 Einwohner großen Stadt gewonnen werden.

An den nächsten zwei Tagen gab es, neben den allgemeinen Führungen im Stammlager Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau, auch Spezialführungen zu dem Bereich Medizin und deren grausamen Methoden. Mindestens 1,1 Millionen Menschen – darunter 1 Millionen Juden - wurden in Auschwitz ermordet. „Wir waren geschockt und traurig zugleich, da uns vor allem auch durch ein Übermaß an Fotos von Inhaftierten klar wurde, um wie viele Einzelschicksale es sich handelte und dadurch alles so wirklichkeitsnah wurde“, beschreibt Carina die Situation.

Die Medizinischen Fachangestellten besuchten auch das vom ehemaligen Häftling August Kowalczyk mitbegründete Hospiz.  Der später bekannte polnische Schauspieler war der letzte noch lebende Beteiligte an einer Flucht aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im Jahr 1942. Das Hospiz ist ein bewusstes Gegensymbol zu den Konzentrationslagern in Auschwitz. Vor gut sechs Monaten nahm das, auch mit Unterstützung der Bundesregierung gebaute Hospiz, seine Arbeit auf. Kowalczyk verstarb hier im Juli 2012. Tiefe Eindrücke haben auch in Krakau die Aussagen des Zeitzeugen  Tadeusz Sobolewicz bei den Teilnehmerinnen hinterlassen. Er hat sechs Konzentrations- bzw. Außenlager überlebt und schilderte seine Erinnerungen an Auschwitz, die durch seine Worte für die Medizinischen Fachangestellten erfahrbar wurden. Abschließend sagte er:  „Es ist eure Aufgabe, was ihr hier gehört und in Auschwitz gesehen habt, weiterzugeben. Wenn  ihr wieder Zuhause seid, sprecht mit euren Eltern, Freunden und Bekannten darüber. Nachmittags besuchten die Schülerinnen und Lehrer das Schindler-Museum. Hier wird die Zeit der deutschen Besatzung in Krakau mit vielen verschiedenen Exponaten und Tondokumenten für Besucher vorstellbar. Eine Führung durch das ehemalige jüdische Viertel, Kazimierz und ein Abendessen in einem jüdischen Restaurant mit typischer Klezmermusik, schloss das Projekt ab, bevor der Bus um  22.30 Uhr die Gruppe mit einer Nachtfahrt in das 1000 km entfernte Ibbenbüren brachte. Carina und Kira fassen das Erlebte so zusammen: „Abschließend können wir sagen, dass uns diese Besichtigungen zum Nachdenken gebracht haben…. Auch wenn es teilweise schwer war, sich die Tatsachen und Geschehnisse vorzustellen, war es für uns eine Bereicherung an Wissen und Erfahrungen und alles in allem benötigen wir persönlich noch eine ungewisse Zeit,  um diese Eindrücke zu verarbeiten. Wir werden mit Sicherheit in Zukunft anders über dieses Thema sprechen und denken.“ 

Am Sonntag, den 27. Januar 2013 (Holocaust-Gedenktag), findet eine Präsentation der Fahrt in der Schule statt. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr und ist auch für Interessierte nach Anmeldung über das Schulbüro 05451-50920 zugänglich.