Ich habe keine Tränen mehr

Kaufmännische Schulen besuchten das Vernichtungslager Treblinka

Auf den Spuren von dem Arzt und Pädagogen Janusz Korczak begaben  sich die Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schulen in das Nachbarland Polen. Warschau war das erste Ziel nach einer elfstündigen Zugfahrt. Zuvor hatten sich die Gruppe an zwei Samstagen mit ihren Lehrern Cornelia Stermann und Reinhold Berg auf die Gedenkstättenfahrt vorbereitet. Schon vor der deutschen Besatzung leitete Janusz Korczak hier ein jüdisches Waisenhaus das später in den sogenannten „Jüdischen Wohnbezirk“ umziehen musste.  In dem Warschauer Ghetto lebten unter mehr als unmenschlichen Bedingungen über  400.000 Menschen auf engstem Raum bei völliger Unterernährung. Von medizinischer Versorgung war erst gar nicht zu reden. Später wurden die Menschen in das ca. 90 km entfernte Vernichtungslager Treblinka deportiert. Hier ermordeten die Besatzer mehr als 900.000 Menschen innerhalb von 13 Monaten. Auch Korczak und seine 200 Waisenkinder wurden in Eisenbahnwaggons nach Treblinka deportiert und - wie in dort üblich - mit Dieselabgasen getötet. Man hatte ihm zuvor die Möglichkeit geboten, zu fliehen. Korczak entschied sich bei seinen Waisenkindern zu bleiben. Der Besuch des Vernichtungslagers Treblinka war ein weiterer Programmpunkt. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Menschen hier umgebracht, Treblinka galt als das perfekteste Vernichtungslager. 17.000 Steine und Obeliske erinnern heute an die vernichteten jüdischen Gemeinden. Das Lager wurde 1943 von den Nazis geschlossen und zur Tarnung der Geschehnisse legten die Deutschen auf dem Gebiet  zwei Bauernhöfe an.
In Warschau sind noch wenige Spuren des Ghettos heute sichtbar. Mehr als 6 Millionen Menschen sind während der deutschen Besatzung in Polen umgekommen, jeder Zweite war Jude. Bei dem Besuch des Warschauer Polin-Museums erfuhr  die Gruppe weitere Einzelheiten über die mehr als 1000jährige Geschichte der Juden in Polen. Dabei gab es auch ein kurzes Zusammentreffen mit Armin Laschet, der zu seinem ersten Besuch als Ministerpräsident in der polnischen Hauptstadt  war.
Mit Unterstützung des Maximilian-Kolbe-Werk, Freiburg, traf die Gruppe am letzten

Tag mit einer der noch wenigen  Ghettoüberlebenden zusammen. Die Zeitzeugin Krystyna Budnicka hat nur ein Foto und die Kopie aus dem Telefonbuch der Vorkriegszeit mit ihrem damaligem Namen. Sie hat als einzige ihrer zehnköpfigen Familie überlebt. “Ich habe keine Vorfahren, keine Nachkommen”, sagt sie, “für mich sind das Foto und der Auszug aus dem Telefonbuch der Beweis meiner Identität.” Sie spricht über die schrecklichen Erlebnisse, die sie und ihre Familie unter der deutschen Besatzung erleiden mussten, insbesondere die 9 Monate in einem Bunker bzw. in der Kanalisation.  Ihre Eltern waren am Ende nicht mehr in der Lage die Kanalisation zu verlassen. “Seit dem Krieg habe ich keine Tränen mehr – auch nicht bei Beerdigungen” sagt die 86jährige. Auf die Frage von Lisa ob sie oft noch an das Geschehene heute denkt, sagt sie, “ich habe nichts, ich habe keine Familiengräber, ich habe nur diese Erinnerung an meine Familie. Meine Eltern, meine Geschwister und Brüder waren Helden und Märtyrer, sie haben niemanden etwas Böses angetan, sie waren nur Juden. Nach einer Stille gibt sie den Schülerinnen und Schülern mit, sich nicht spalten zulassen und sich für den Frieden einzusetzen. “Leider gibt immer noch Kriege unter denen ganz besonders auch Kinder leiden”, sagt sie abschließend.

Die Präsentation der Gedenkstättenfahrt findet am 08. November, 19.30 Uhr an den Kaufmännischen Schulen statt.